Hanau vor 6 Jahren. Ein deutscher Rassist ermordet zehn Hanauer mit Migrationsgeschichte. Auch sechs Jahre später bewegen uns die Schicksale der Ermordeten. Von Hamza Kurtovic etwa, der gerade mit seiner Ausbildung fertig war, von Mercedes Kierpacz, die Pizza für ihre zwei Kinder holen wollte, oder von Said Reza Hashemi, der zusammen mit seinem Bruder angeschossen wurde und neben ihm starb.
Die Botschaft dieses rassistischen Terrors war eindeutig: „Ihr werdet hier nie dazugehören. Ihr werdet hier nie zu Hause sein. Ihr werdet hier nie sicher sein.“ Immer noch beeindruckt uns der Mut der Angehörigen und Freunde, die sich versprachen „Dass die Namen der Opfer nicht vergessen werden. Dass wir uns nicht allein lassen. Dass es nicht bei folgenloser Betroffenheit bleibt. […]“ und die erklärten „Die Kameras und Politiker*innen verlassen jetzt wieder die Stadt. Wir bleiben.“
Ihr Misstrauen gegen die geheuchelte Betroffenheit der bürgerlichen Politik war berechtigt. Heute haben wir mit Friedrich Merz einen Bundeskanzler, der von „kleinen Paschas“ spricht, der von Asylbewerbern fantasiert, die Deutschen die Zahnarzttermine klauen, und der von einem Stadtbild träumt in dem es keine Migrant:innen mehr gibt. 2026 ist rassistische Hetze Chefsache. Und die Botschaft ist auch heute eindeutig: „Ihr werdet hier nie dazugehören. Ihr werdet hier nie zu Hause sein. Ihr werdet hier nie sicher sein.“
Der CDU-Wirtschaftsrat hat gerade erst gefordert Zahnarztbehandlungen für uns alle aus der Krankenversicherung zu streichen. Und während sie uns schon in den Mund greifen, rufen sie noch: „Passt auf! Die Asylanten, die Migranten, die Fremden – die sind euer Unglück.“ Sie lügen! Die, die uns immer mehr wegnehmen wollen, die wohnen nicht im Idunazentrum oder in der Groner Landstraße 9. Wer wirklich auf unsere Kosten lebt, das ist die kleine Minderheit von Kapitalisten und ihre Lakaien in Ausschüssen, wie dem CDU-Wirtschaftsrat.
Ihre Stichwortgeber, ihre Aufwiegler, ihre Brandstifter, sie sitzen im Kanzleramt, im Bundestag, in jeder verdammten Talkshow. Sie kommen aus allen bürgerlichen Parteien und sie werden ihre Hetze gegen unsere migrantischen Klassengeschwister noch verschärfen. Wiedereinführung der Wehrpflicht, Erhöhung des Renteneintrittsalters, Abschaffung des 8-Stunden-Tages. Je stärker ihre Angriffe auf das Leben der einfachen Menschen werden, desto mehr werden sie versuchen uns entlang rassistischer Linien zu spalten. Je offensichtlicher die Krise ihres Systems wird, desto schriller werden sie versuchen uns gegeneinander aufzuhetzen. Anschläge wie in Hanau sind dabei einkalkuliert.
Der Rassismus der Herrschenden richtet sich nicht nur direkt gegen die migrantischen Teile der Bevölkerung, er richtet sich mit seiner Spaltung auch gegen die arbeitende Klasse insgesamt. Gegen diesen Angriff auf uns alle wird uns kein moralischer Zeigefinger, keine Sprachpolitik und kein Privilegien-Check helfen. Der idealistische Antirassismus aus den Personalabteilungen, aus den Workshops liberaler NGOs oder den Programmen bürgerlicher Parteien ist Teil des Problems. Denn es ist ihre Gesellschaft – des Profits, der Vereinzelung, der Armut, der Umweltzerstörung, des Kriegs, der Unterdrückung, des Rassismus, des Völkermords – in der wir alle niemals dazugehören werden, in der wir alle niemals sicher sein werden.
Der Kampf gegen die rassistische Spaltung kann nur im Rahmen des Klassenkampfs um unsere gemeinsamen Interessen erfolgreich sein. Dann, wenn wir in der Praxis nicht nur die moralische Verkommenheit des Rassismus, sondern auch seinen Charakter als Spaltungsinstrument entlarven. Wenn wir praktisch beweisen, dass uns über alle Unterschiede der Familiengeschichte oder Herkunft unendlich viel mehr verbindet, als mit allen Friedrich Merzens dieser Welt.
Das ist der Weg, den wir als Marxist:innen in unserer Arbeit im Stadtteil, im Betrieb und in den politischen Bewegungen gehen. Eine Gesellschaft in der wir alle dazugehören, in der wir alle zu Hause sind, in der wir alle sicher sind, – eine sozialistische Gesellschaft – das ist das Ziel dieses Weges.
Der Kampf für den Sozialismus ist nicht nur der Kampf für die ökonomische Befreiung des Proletariats. Es ist auch der Kampf gegen den Überbau der gegenwärtigen Gesellschaft. Gegen alles Reaktionäre, gegen die rassistische Ideologie.
Lasst uns heute das Versprechen von Hanau erneuern: „Dass die Namen der Opfer nicht vergessen werden. Dass wir uns nicht allein lassen. Dass es nicht bei folgenloser Betroffenheit bleibt.” Lasst uns unsere Demonstration zu einer Kampfansage an Friedrich Merz, die bürgerliche Politik und alle übrigen Rassisten machen. Wir glauben eure Lügen nicht. Wir lassen uns nicht spalten. Wir bekennen uns zueinander! Dieses Land wird eines Tages uns allen gehören. Wir bleiben!